Hastig steigt der unbekannte die Treppen hoch zur Eingangstür des Waisenhauses. Als er an die Holztür pocht fallen einige Herbstblätter auf seinen Hut und sanft auf den Boden. Es dauert eine
Weile bis die Tür sich öffnet. Nun aber mit Wucht. Eine Dame mit schwarzen Locken und einem Schürzenkleid schaut neugierig auf die zwei neuen Besucher. "Na wen haben wir denn da?" fragt sie
bestimmend jedoch zugleich beruhigend als hätte Sie alles im Griff. Der Mann reicht ihr das rothaarige Mädchen und rennt davon. Er verschwindet hinter einer der drei Gassen, die von dem
Waisenhaus ausgehen. Die Oberschwester schaut verdutzt den aufgewirbelten Blättern hinterher dort wo der Mann gerade eben noch her rannte.
Sie ruft im hinterher "He Sir, kommen Sie sofort zurück. So läuft es hier nicht." Eine andere Schwester kommt aus dem Waisenhaus zur vordersten Tür heraus und fragt was denn los sei.
"Mal wieder ein namenloses Waisenkind. Das zweite in 4 Wochen". Langsam schließt sich die Eingangstür, während die drei hinter ihr verschwinden. Von dem Mann ist nichts mehr zu sehen.
Keiner weiß wer er war und wieso er so schnell das Weite suchte.
Hinter den Wänden des Waisenhauses wird diskutiert wie das Kind heißen solle und in welchem Zimmer es untergebracht wird. Die Polizei habe ja besseres zu tun als sich um ein Waisenkind zu
kümmern, hört man spottend aus einem der Büroräume der Schwestern. Alle beharren darauf den schönsten Namen gefunden zu haben. Als die jüngste der Schwestern ihren Vorschlag in die Runde
wirft, hört man ein kleines Jauchzen von dem rothaarigen Schopf. "Minna! soll sie heißen". Verwundert schauen die Schwestern sich an. "Nun damit ist es klar", sagt die Oberschwester
erleichtert.
Die kleine wird in ihr Zimmer mit noch 5 anderen Kleinkindern gebracht. Alle ungefähr in ihrem Alter. Es wird Abend und die Lichter in der Stadt gehen aus. Minna schläft schon und die anderen
Kinder auch. Man hört nur noch das laute Kichern von den älteren Waisenkindern im 2. Stock, durch den Flur schallen. Plötzlich knarrt es an der Treppe eine der Schwestern hastet nach oben in
den 2. Stock. Von unten hört man eine Tür quietschen gefolgt von einem lauten "Psscht" der Schwester. Nun aber wird es still im Waisenhaus, während der Wind draußen durch die Gassen von
Birmingham fegt.
Die Jahre vergehen und aus dem kleinen zwei jährigen Rotschopf ist ein sechsjähriges fantasievolles Mädchen geworden.
In der Gruppenversammlung des Waisenhauses hat Minna es schon gehört..bald muss Sie zur Schule gehen. Traurig blickt Sie aus dem Fenster und erinnert sich an all die Tage in denen Sie frei
sein durfte. Mit ihrer Freundin Luise hat Sie sich immer unglaubliche Geschichten ausgedacht, was den Schwestern gar nicht gefiel. Einmal meinte sogar die Oberschwester zu ihr "mit deinen
Flausen im Kopf wirst du es später schwer haben viele der Waisenkinder werden kriminell aber davon verstehst du noch nichts. Du und deine Kinkerlitzchen!".
Doch war Minna alles andere als von Kinkerlitzchen inspiriert. Die Art wie Sie sich in Ihren Geschichten die Welt verschönerte war äußerst einfallsreich und bedeutsam. Oft fiel Sie in
eine Welt aus tausend Tagträumen. Nun jedoch finge der Ernst des Lebens an. Minna hatte ein Kribbeln im Bauch ein sehr unangenehmes Gefühl wenn sie an die Schule dachte. Es vergingen ein paar
Tage und eine Woche die Minna voll und ganz ausnutzte bevor Sie ihren ersten Schultag haben würde.
Dann am Morgen des 16. Juni 1857 war es soweit. Die Schultasche war schon am Vorabend gepackt worden. Minnas Schüchen stehen ordentlich neben Ihrem Bett. Um 8 Uhr kommt eine der Schwestern in
Minnas Zimmer herein um sie alle zu wecken. " die Schule fängt um 9 Uhr an seid pünktlich!" ermahnt Sie Minna und Ihre Freundinnen. Minna musst sich nur noch waschen, Zähne putzen und
anziehen. Zögernd zieht Minna sich die Schuhe an. Das Kleid ist zwar grau aber dennoch sieht es an ihr sehr herzlich aus. Sie schreitet aus der Zimmertür heraus, als sich auch schon die
Oberschwester mit ihren lauten spitzhackigen Schuhen, welche Sie von einer Hochwohlgeborenen geschenk bekommen hatte, wie Sie stolz einmal vor der ganzen Versammlung erzählte, nähert. Tief
und suchend nach einer Prise Dame in der Kleinen starrt die Oberschwester Minna in Ihre funkelnden braunen Augen und fragt missmutig "Na ich hoffe du hast heute keine Flausen im Kopf! Wehe
wenn ich mir irgendeine Beschwerde des Rektorats anhören muss." Minna nickt unbeholfen und zieht dabei Ihre Schultern hoch.
Auf dem Weg zur Schule klammert sich Minna an Ihre Schultasche. Luise rennt Ihr hinterher und ruft erstaunt "He warte doch wieso läufst du denn ohne mich los?". "Oh entschuldige ich war zu
aufgeregt verzeih mir" antwortet Minna. Beide laufen Hand in Hand den Schulweg entlang.
Vor dem Eingang der Schule bemerkt Minna, dass die Burschen alle einen anderen Eingang nahmen als die Mädchen. Drinnen versammeln sich dann alle Schüler von der ersten bis zur achten Klasse.
Die Ältesten Schüler sind 14 und die Jüngsten 6. Alle werden zusammen auf drei Klassenräume verteilt. Minna kommt mit einigen Lausejungs in eine Klasse. Als Sie sich alle hinsetzen, dauert es
nicht lange bis einer der frechen Mitschüler an Minnas Haaren zieht. "Aua!" ruft Minna durch das ganze Zimmer. Der Lehrer echauffiert sich und befiehlt Minna aufzustehen und 40 mal an die
Tafel zu schreiben: "Im Schulunterricht wird nicht laut in die Klasse gerufen". Nach dem 19. Satz werden Minnas Arme schwach und um durchzuhalten fängt Sie an zu träumen. Sie stellt sich vor
wie die Tafel sich in eine riesige hellbraune Schokolade verwandelt. Der Lehrer fragt Sie ob Sie schon fertig sei. Minna erschreckt sich zuerst als Sie den Bonbon-Kopf des Lehrers erblickt.
Kichernd nickt Sie und dreht sich wieder zur Tafel hin. Hätte Sie ein Sack voller Süßigkeiten, würde Sie ihn jetzt für alle Kinder in die Luft werfen. Minna war zum Ende der 2. Schulstunde
fertig geworden. Sie setzt sich wieder auf Ihren Platz. Plötzlich haut der Lehrer bestimmend mit seinem Stock auf den Pult und erklärt die Schule für beendet, da es der erste Schultag ist.
In den darauf kommenden Jahren und Tagen wurde Minna immer wieder von den Schülern ausgelacht und den Lehrern ignoriert und sogar teilweise beschimpft. Dies alles führte zu einer noch stärker
ausgeprägten Fantasie seitens Minna. Die Geschichten, die Sie Ihren Zimmergenossinnen erzählte wurden immer visionärer und spannender. Minna weinte ab und zu. Jedoch war Sie eine
willensstarke Person und gab niemals die Hoffnung auf ein besseres Leben auf. Ihre Fantasie war genauso hilfreich für Ihre Psyche wie für die Ohren Ihrer Freundinnen, die es als Waisen nicht
gerade weniger schwer hatten.
Die Jahre vergingen wie im Flug und Minna beendete die Schule mit 13 Jahren. Am Ende der 8. Klasse war Minna dann fertig und versuchte auf Märkten mit Schuhe putzen Geld zu verdienen. Dies
reichte jedoch kaum für einen Unterhalt. Mit 14 wollte die Oberschwester Minna rauswerfen. "Versuch dein Glück auf der Straße. Hier haben wir kaum noch Platz!" sagte Sie schamlos zu Minna.
Zum Glück hatten zwei andere Schwestern die 14- Jährige in Ihr Herz geschlossen. Somit wurde der Rotschopf noch drei Jahre länger in die Fittiche des Waisenhauses von Birmingham genommen.
Es ist 1865 und mittlerweile fängt Minna überall wo Sie hingeht zu träumen an um Ihrem beschwerlichen Leben einen Hauch Hoffnung zu geben. Eines Mittwochs geht Minna mal wieder auf den Markt
um die Schuhe der Damen und Herren von Birmingham zu putzen. Sie will gerade nach Hause gehen, als sich Ihr ein netter alter Mann mit Hut und schicker Jacke nähert. Freundlich fordert
Er Sie auf Ihm die Schuhe zu putzen. Minna sieht mit Ihrem geschulten Auge, dass er Wohlstand hat und beschließt Ihm die Schuhe zu polieren. Währenddessen erzählt der alte Mann Minna seine
halbe Lebensgeschichte. Gervais Nicolas ist sein Name. Er habe seine Frau schon früh verloren. Und seine Kinder wollen nichts mehr mit Ihm zu tun haben. Er habe Heimweh nach Paris wo er
ursprünglich herkommt. Und wohne seid 1844 in Birmingham. Plötzlich unterbricht Minna Ihn und fängt an Ihm von Ihren Visionen und Ihrem Schlaraffenland, von dem Sie öfters träumt, zu
erzählen. Neugierig und fasziniert hört Gervaise Ihr zu bis Er auch Sie unterbricht:"Im französischen nennt man es "Le Pays de Cocagne", fügt er hinzu. "Wenn ich dich hier Morgen um 13 Uhr
wieder antreffe, zeige Ich dir eine Welt, die du noch nie zuvor gesehen hast", versichert Gervaise. Minna nickt aufgeregt, packt Ihre Sachen und läuft schnell nach Hause.
TEIL 2 -
Am nächsten Morgen regnet es. Minna schaut aus dem Fenster des Waisenhauses als Ihr plötzlich Gervaise einfällt. Freudig springt Sie auf und hastet in die Ecke des Zimmers. Dort schlüpft Sie
geschwind in Ihre Schühchen hinein. Sie rennt an der Oberschwester vorbei, welche Sie noch aufhalten will, bevor Minna Ihr die Tür mit einem Ruck vor der Nase zu schlägt. Verwundert öffnet
die Oberschwester die Türe um nach Minna zu sehen, welche sich jedoch schon auf dem Weg zum Markt befindet und nicht mehr zu sehen ist. Hastig läuft Minna zu der Stelle, wo Sie gestern auf
Gervaise traf. Es ist kurz nach 13 Uhr und Minna beißt sich auf Ihre Unterlippe. Ihre Augen schwenken rechts und links über den ganzen Markt, als Sie eine Gestalt inmitten der Menge erkennt.
Es ist Gervaise! Er kommt gerade auf Sie zu, verbeugt sich und nimmt den Hut ab. "Guten Tag, die Dame" sagt er mit einem höflichen Ton. Minna erwiedert den Gruß und fragt neugierig:
"Gervaise, gestern hatten Sie mir versprochen Sie würden mir etwas geheimnisvolles zeigen, gilt dies denn noch?", fragt Minna neugierig. Gervaise nickt vielversprechend und zeigt Minna den
Weg. Sie laufen zur 64. Edmund Street. Dort steht zwischen zwei Häusern ein schicker kleiner Laden. Minnas Pupillen weiten sich und Sie kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. "Ist das etwa
ein Süßigkeiten-Laden?" fragt Sie erwartungsvoll. "Ja. Und ich bin der stolze Besitzer." Ein kleines Lächeln bildet sich auf seinen Lippen und er fährt fort: "Ich habe den Shop seid Ich nach
England gezogen bin." Gervaise bittet Minna in seinen Laden herein. Sie schreitet durch die Tür, es klingelt. Überall glitzern Bonbon- Papiere und Zucker. An der Theke sind große Lollis
verpackt. Mindestens 60 verschiedene Bonbon- Sorten. Etliche Schokoladen-Tafeln nebeneinander verteilt auf der rechten Seite in der hintersten Ecke des Ladens. Gelee-Bonbons, Frucht-Bonbons,
Marzipan-Figuren, Schoko-Kugeln, Marshmellow-Streifen, Lakritze und vieles mehr erblickt Minna mit Ihren glücklichen Augen.